Wissen statt Werbung Aus echter Werkstatt in Hannover
01 · Lackieren

Welches Lacksystem passt zu welchem Projekt?

Wer zum ersten Mal lackiert, steht im Regal und sieht: 1K, 2K, Basislack, Decklack, Klarlack, Härter, Verdünnung. Wir übersetzen das für Dich.

1K- oder 2K-Lack?

1K-Lacke härten durch Lösemittelverdunstung. Sie sind einfach zu verarbeiten, verzeihen Anfängerfehler, sind aber weniger widerstandsfähig gegen Benzin, Lösemittel und UV-Strahlung. Ideal für Innenverkleidungen, Rahmen, kleine Punktreparaturen.

2K-Lacke härten durch eine chemische Reaktion mit einem Härter. Das Ergebnis: ein extrem widerstandsfähiger, lösemittelfester und UV-stabiler Lack. Für Außenlackierungen am Fahrzeug gibt es in der Praxis keine Alternative. Verarbeitung: im angemischten Zustand sofort verarbeiten, Topfzeit meist 2–4 Stunden.

Profi-Tipp aus der Werkstatt

Niemals 2K-Lack ohne Härter einlagern oder „testweise" spritzen. Der Lack steht sonst ewig feucht auf der Oberfläche und lässt sich nur mit Aufwand wieder entfernen.

Basislack + Klarlack: das 2-Schicht-System

Moderne Fahrzeuglackierungen sind fast immer im 2-Schicht-Aufbau lackiert: ein dünner, farbgebender Basislack und darüber ein dickerer, glänzender 2K-Klarlack. Der Klarlack übernimmt den mechanischen Schutz, den Glanz und die UV-Stabilität.

  • Basislack: 2–3 Spritzgänge, zwischen den Gängen ablüften lassen (Finger-Test)
  • Klarlack: 2 satte, gleichmäßige Gänge — nicht zu viel Material auf einmal
  • Temperatur beachten: < 18 °C und > 28 °C sind kritisch

Der häufigste Fehler

Zu viel Material, zu schneller Abstand, zu kalte Werkstatt. Alle drei Fehler führen zum gleichen Ergebnis: Läufer. Wer beim ersten Mal keine hat, hat mehr Material verteilt als gespritzt. Geduld und Abstand (ca. 15–20 cm) sind wichtiger als Geschwindigkeit.

HVLP-Pistole beim Auftrag eines Metallic-Basislacks
HVLP · Gleichmäßiger Abstand · Überlappung 50 %
02 · Schleifen

Die Körnung macht den Unterschied.

Zu grob — Kratzer zeichnen sich durch den Lack durch. Zu fein — der Lack hat keinen Halt. Die richtige Körnung für jeden Arbeitsschritt.

Körnungsreihe für eine komplette Lackierung

  • P80 – P120: Altlack abtragen, Rost freilegen, Spachtel grob formen
  • P180 – P240: Spachtel in Form bringen, Übergänge angleichen
  • P320 – P400: Grundierung anschleifen, finale Oberflächenfeinheit
  • P500 – P800: Füller anschleifen vor dem Decklack
  • P1500 – P3000: Nass-Finish, Polierer-Vorbereitung, Fehlerstellen korrigieren

Trockenschliff oder Nassschliff?

Trockenschliff geht schneller, man sieht den Fortschritt sofort und kann mit einer Schleifmaschine arbeiten. Nassschliff ist präziser, feiner, bindet den Schleifstaub und ist fürs Finish oft besser.

Regel aus der Werkstatt

Eine Körnung zu überspringen kostet später das Doppelte an Zeit. Lieber einen Zwischenschritt zu viel als einen zu wenig.

03 · Spachteln

Jede gute Lackierung beginnt mit Spachtel.

Wer denkt, Spachtel sei nur was für Karosseriebauer, irrt. Für fast jede ernsthafte Lackierung an einem Auto brauchst Du mindestens einen Feinspachtel — um kleine Unebenheiten, Sandstrahlspuren oder Schleifriefen zu schließen.

Die drei wichtigsten Spachteltypen

  • Universalspachtel (Polyesterspachtel): der Allrounder. Für die erste grobe Formgebung nach dem Beulen-Ausbeulen.
  • Glasfaserspachtel: für durchrostete Stellen, Löcher und Übergänge zu nicht-metallischen Teilen. Extrem stabil.
  • Feinspachtel: für den letzten Schliff, die haarfeinen Riefen und die absolut ebene Oberfläche.

Verarbeitung

Spachtel und Härter gründlich verrühren, bis die Farbe völlig homogen ist. Immer nur so viel anmischen, wie Du in der Topfzeit verarbeitest (meist 4–6 Minuten). Auf blank geschliffenen Untergrund auftragen — auf Altlack haftet Spachtel langfristig nicht zuverlässig.

04 · Abkleben

Die Kante entscheidet.

Beim Lackieren zählen nicht die Flächen, sondern die Kanten. Eine gute Abklebearbeit ist der Unterschied zwischen „sieht gut aus" und „sieht nach Werkstatt aus".

Welches Klebeband für welchen Zweck?

  • Standard-Lackierklebeband (hellgelb, bis 80 °C): der Standard für alle Maskierungen außerhalb des Spritzbereichs
  • Hochtemperatur-Klebeband (bis 120 °C): Pflicht für alles, was in die Lackierkabine kommt
  • Fine-Line-Band: für Kurven, Zierlinien, Zweifarblackierungen — extrem flexibel und reißfest
  • Doppelseitiges Klebeband: zum Fixieren von Abdeckfolie

Kanten-Trick

Klebeband beim Andrücken immer an der späteren Farbkante fest nachziehen — niemals mit dem Finger über die komplette Breite drücken. So entsteht eine saubere Kapillarsperre und kein Farbnebel läuft unter.

05 · Reinigen & Pflegen

Ohne saubere Fläche kein Glanz.

Der häufigste Grund, warum Lack nicht hält oder Krater zeigt, ist Silikon auf der Oberfläche — Rückstände von Politur, Pflegemitteln, Fingerabdrücken. Siliconentferner gehört deshalb auf jeden Arbeitsplatz.

Der Ablauf vor dem Lackieren

  • Oberfläche gründlich abwaschen (Wasser + Autoshampoo)
  • Komplett trocknen lassen
  • Mit Siliconentferner und sauberem Tuch abwischen — immer Nass-auf-Nass, nie auf eingetrocknetem Silikonentferner
  • Direkt vor dem Lackieren: Staubbindetuch (Tack Cloth)

Und nach dem Lackieren?

Frischer Lack braucht ca. 24 Stunden zum Durchtrocknen. Erste Pflege frühestens nach 4 Wochen — bis dahin kein Wachs, keine Politur, keine Waschanlage mit Bürsten.

06 · Profiausrüstung

Arbeitsschutz ist kein Extra.

Lackierarbeiten sind nicht ohne. Isocyanate (im 2K-Härter) können bei regelmäßiger Exposition zu dauerhaften Atemwegsschäden führen. Ein einfacher Staubschutz reicht nicht aus.

Minimum-Schutzausrüstung für 2K-Arbeit

  • Halbmaske oder Vollmaske mit A2/P3-Filter (Einweg-Staubmasken genügen NICHT)
  • Chemiehandschuhe (Nitril, lösemittelbeständig)
  • Schutzanzug oder alter, dicht schließender Arbeitsanzug
  • Schutzbrille, wenn keine Vollmaske genutzt wird
  • Gut belüfteter Raum oder echte Lackierkabine

Die richtige Spritzpistole

Für Einsteiger empfehlen wir eine gute HVLP-Pistole mit 1,3–1,4 mm Düse. Sie sprüht effizient, erzeugt weniger Overspray und ist verzeihend bei Einstellfehlern. Eine gebrauchte Profi-Pistole ist fast immer besser als eine neue Billig-Pistole.

Kompressor-Richtwert

Für Lackierarbeiten brauchst Du einen Kompressor mit mindestens 300 l/min Ansaugleistung und 50 l Kessel — besser 100 l. Kleinere Geräte schaffen die Luftmenge für einen kontinuierlichen Spritzgang nicht.

Problemlöser

Die häufigsten Lackierfehler — und was dagegen hilft.

Zehn Fragen, die uns jede Woche erreichen. Die Antworten direkt aus der Werkstatt.

Was ist „Orangenhaut" und wie vermeide ich sie?

Orangenhaut entsteht, wenn der Lack nicht sauber verläuft. Ursachen: zu hoher Luftdruck, zu großer Abstand zur Oberfläche, zu warme Werkstatt, zu schnell verdunstende Verdünnung. Abhilfe: Druck senken (1,5–2 bar am Einlass), Abstand auf 15–20 cm reduzieren, passende Verdünnung für die Raumtemperatur wählen.

Warum entstehen Krater im frischen Lack?

Krater sind fast immer Silikon-Verunreinigungen. Altwachs, Politur oder Hautfette auf der Oberfläche stoßen den Lack ab. Lösung: vor dem Lackieren konsequent mit Siliconentferner arbeiten, Druckluft mit Ölabscheider filtern, saubere Handschuhe tragen.

Mein Lack läuft — was jetzt?

Bei noch feuchten Läufern: nicht anfassen, den Lack in Ruhe aushärten lassen (24 h) und dann vorsichtig mit P1500/P2000 schleifen und auspolieren. Bei Klarlack-Läufern lässt sich das meist unsichtbar korrigieren, bei Basislack muss oft neu lackiert werden.

Wie finde ich den originalen Farbcode meines Fahrzeugs?

Der Farbcode steht meist auf einem Typenschild im Motorraum, in der Fahrertür, im Kofferraum oder unter dem Serviceheft. Wir haben eine ausführliche Fundort-Übersicht für jede Marke.

Wie lange ist 2K-Lack nach dem Anmischen verarbeitbar?

Die Topfzeit hängt vom Härter und der Raumtemperatur ab. Als Faustregel: 2–4 Stunden bei 20 °C. Bei 30 °C halbiert sich das, bei 10 °C verdoppelt es sich. Wenn der angemischte Lack anfängt, Fäden zu ziehen oder spürbar wärmer zu werden, ist die Topfzeit vorbei.

Kann ich 2K-Lack in der Garage lackieren?

Technisch ja — praktisch ist es eine Frage von Staubfreiheit, Temperatur und Belüftung. Alles unter 15 °C ist problematisch. Unbedingt Atemschutz mit A2/P3-Filter tragen, Staub vorher mit Wasser niederbinden, während des Trocknens die Tür schließen.

Welche Körnung vor dem Klarlack?

Der Basislack selbst wird nicht angeschliffen — er wird direkt nach dem Ablüften mit Klarlack überlackiert. Wird aus irgendeinem Grund zwischen Basislack und Klarlack Zeit vergehen (mehr als 24 h), dann mit P600–P800 ganz leicht anschleifen und neu mit Basislack überlackieren.

Wie oft muss ich die Filter an der Spritzpistole wechseln?

Die Filter an der Pistole selbst sind meist Dauerbauteile. Wichtig sind die Filter in der Luftzufuhr: Öl-/Wasserabscheider regelmäßig entwässern, Druckluftfilter spätestens alle 6 Monate wechseln, bei intensiver Nutzung häufiger.

Noch Fragen?

Frag direkt bei uns im Ladengeschäft in Hannover oder telefonisch unter +49 511 41064510. Im LACKSTORE Onlineshop findest Du die passenden Produkte zu jeder Empfehlung.

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